Gastkommentar „Aktuelles aus dem Krisenstab“ von Dr. Stephan Keller

Liebe Leserinnen und Leser,

seit einem Monat leite ich jetzt den Krisenstab der Stadt Köln. Und die Lage wird von Woche zu Woche komplexer. Unser Ziel ist klar definiert: alle Kölnerinnen und Kölner so gesund wie möglich durch die Krise zu bringen. Damit das gelingt, müssen wir auf der einen Seite die Anzahl der Ansteckungen mit dem Coronavirus so gering wie möglich halten und auf der anderen Seite unser Gesundheitssystem so gut wie möglich ausrüsten.

Was wir unternommen haben, um die Anzahl der Ansteckungen einzudämmen, haben Sie alle selbst erlebt. Eine besondere Rolle bei der Eindämmung des Virus kommt hierbei den Kolleginnen und Kollegen im Gesundheitsamt zu. Sie kennen sicher mittlerweile alle jemanden, der positiv getestet oder als Kontaktperson unter häusliche Quarantäne gestellt wurde. Hinter diesen Anordnungen steckt ein stetig wachsendes Team, das mit großem Engagement und noch größerer Akribie Kontaktpersonen ermittelt, den täglichen Kontakt zu ihnen hält und alle notwendigen Schritte unternimmt. So ist zum Beispiel auch sichergestellt, dass evtl. schwere Verläufe schnell in die richtige Klinik überwiesen werden, damit ihnen effektiv geholfen werden kann. Bislang hat sich diese Strategie als richtig erwiesen, und wir haben in Köln ein lineares und kein exponentielles Wachstum. 

Auf der anderen Seite bauen wir die Behandlungskapazitäten für Erkrankte aus, denn aus anderen Ländern wissen wir, dass ein Engpass hier unbedingt verhindert werden muss. Deshalb planen wir vorausschauend auf der Basis verschiedener Szenarien: Bei einem günstigen Verlauf kann das ohnehin schon sehr gut ausgestattete Kölner Gesundheitssystem mit 350 Beatmungsplätzen die Corona-Erkrankten ohne Probleme versorgen. Sollte es erforderlich werden, können wir diese Zahl im bestehenden System auf 700 Beatmungsplätze verdoppeln. Wenn wir noch mehr Plätze bräuchten, wäre auch das innerhalb kurzer Zeit machbar, allerdings müssten wir dazu ein neues Behandlungszentrum in Betrieb nehmen. Doch auch dafür sind wir vorbereitet.

In unserer täglichen Arbeit sehen wir uns mit verschiedenen Anforderungen konfrontiert, die wir bis vor kurzem nicht für möglich gehalten hätten. Die größte Herausforderung ist zurzeit die Beschaffung von Schutzausrüstungen und medizinischem Gerät, da dies gerade auf der ganzen Welt gebraucht wird und dementsprechend schwierig zu bekommen ist. Nachdem Donald Trump die Verbreitung des Virus wochenlang geleugnet hat, gibt es seit Anfang der Woche eine unglaublich aggressive Offensive von Seiten der USA in der Beschaffung von Beatmungsgeräten. Hier haben wir es als Stadt Köln also gerade mit einem sehr finanzstarken Wettbewerber um die Geräte zu tun. Doch auch das kann uns nicht schrecken, und wir werden auch hier Lösungen finden.

Wir arbeiten nicht nur im Krisenstab, sondern in der gesamten Stadtverwaltung mit viel Teamgeist, großem Einsatz und dem gebündelten Knowhow aller Ämter zusammen, und wir sind uns sicher, dass wir Köln gemeinsam mit Ihnen gut durch die Krise bringen werden! 

An dieser Stelle möchte ich nicht nur den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt Köln, sondern allen danken, die zurzeit beruflich und privat Höchstleistungen bringen! 

In diesem Sinne – bleiben Sie gesund!

Ihr Stephan Keller

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