Erster Kölner Wirtschaftskommentar – Gastbeitrag von Florian Weber

Erster

Kölner

Wirtschaftskommentar

„Digitalisierungsschub für Köln“

Gastbeitrag von

Florian Weber

Vorstandsmitglied der MIT Köln, Ratskandidat Altstadt-, Neustadt-Nord

 

 

Die Zukunftsfähigkeit von Köln hängt entscheidend davon ab, wie gut wir die Digitalisierung meistern. Dabei kommt der Stadt Köln – also der Verwaltung – eine Schlüsselrolle zu. Ihre Leistungsfähigkeit und die Rahmenbedingungen, die sie setzt, entscheiden über den Wohlstand unserer Stadt.

Das bisherige Voranschreiten der Digitalisierung zeigt, dass die Erfolge von gestern nicht die Erfolge von morgen sind. Die Corona Pandemie führt uns das im Zeitraffer vor Augen: Die wichtigen Standbeine des Kölner Wirtschaft – der Tourismus und die Industrie – drohen auf Dauer unter das Vorkrisenniveau zu fallen. Digitale Geschäftsmodelle kommen deutlich besser durch die Krise und boomen häufig sogar. Parallel hat die unzureichende Digitalisierung wichtiger Verwaltungsprozesse dazu geführt, dass Behördendienste während des Lock-Downs nicht verfügbar waren. Fünf Punkte, um in dieser Situation den nötigen Digitalisierungsschub für Köln zu erzeugen:

  1. Digitalisierung aus Sicht des Nutzers denken. Die Kölnerinnen und Kölner möchten ihre Behördengänge einfach und schnell erledigen. Im Schnitt besitzen 75% der Bevölkerung ein Smartphone. Die nur geringfügig Ende-zu-Ende digitalisierte Verwaltungsprozesse werden zum Bottleneck. Es braucht einen stärkeren Fokus der Stadt, instantane (sich sofort auswirkende; Anm. d Red.) virtuellen Behördengänge anzubieten. Dafür müssen Prozesse so umorganisiert werden, dass sie von der Eingabe, über den Entscheidungsalgorithmus bis zur Ausgabe in einem Vorgang durchführbar sind. Eine Zukunfts-App muss alle diese Dienste vereinen und zum ständigen Begleiter der Bürgerinnen und Bürger werden. Ein digitales Bürgerkonto, das Mehrfacheingaben von Daten reduziert und eine Historie der Verwaltungsvorgänge bereitstellt, kommt ergänzend hinzu. Gemeinsam mit einer „Digital First Verpflichtung“ für die Verwaltung und die Entscheidungsgremien stellen wir sicher, dass bei Beschlüssen stets die Umsetzung als digitaler Dienst mitgedacht wird. Ein Beschluss tritt erst in Kraft, wenn dieser Dienst digital bereitsteht.
  2. Den Umbau der Stadt zu einem modernen Dienstleister beschleunigen. Damit erreichen wir die nötige Leistungsfähigkeit und Kundenorientierung. Ein Mammutprojekt für die Verwaltung, dem größten Arbeitgeber von Köln. Gut, dass seit 2017 mit der großen Verwaltungsreform bereits wichtige Schritte eingeleitet wurden. Mitarbeiter erhalten mehr Freiheiten, um kreativ zu werden und eigenständig zu entscheiden. Hierarchiestufen werden abgebaut und die Dezernate arbeiten funktionsübergreifend zusammen. Zunehmend erhalten agile Arbeitsmethoden Einzug. Daran anknüpfend gilt es die Weiterentwicklung und Auswahl des Personals stark auf die Steigerung der Digitalkompetenz auszurichten. Vielfach können dabei auch internationale Talente den Unterschied machen. Diese positive und motivierende Veränderungsgeschichte hat das Potenzial, das Selbstverständnis der vielfach gescholtenen Verwaltungsmitarbeiter zu verändern und die Stadt Köln als Arbeitgeber attraktiv zu machen.
  3. Stärkere Vernetzung mit der Kölner Wirtschaft erreichen. Speziell junge aufstrebende Start-Ups brauchen ein funktionierendes Ökosystem, um innovativ zu sein und mit ihrer Geschäftsidee den Durchbruch zu schaffen. Hier ist die Stadt als Mittler gefragt, um aus bestehenden Initiativen für Köln und das Rheinland ein übergreifendes Momentum zu erzeugen. Dem Handwerk und Mittelstand kann die Vernetzung in Form von Beratungsangeboten helfen, die bestehenden Digitalisierungsdefizite auszugleichen. Für eigene Problemstellungen sollte die Stadt zukünftig vermehrt den Weg der Co-Creation mit dem Kölner Ökosystem gehen. Dies verspricht die besseren Lösungen und generiert wichtige Lerneffekte für die Stadtverwaltung.
  4. Mehr Entschlossenheit beim Aufbau der digitalen Infrastruktur. Binnen weniger Jahre ist das Ausbauziel für die Bandbreite von Anschlüssen von 100 Mbit auf 1000 Mbit gestiegen. Gleichzeitig gibt es Anschlüsse, die immer noch weniger als 30 Mbit erreichen. Hier ist zeitgleich Pragmatismus und konsequenten Ausbau gefragt. Die Breitband-Soforthilfe versorgt Haushalte mit niedriger Bandbreite über einen Mobilfunkvertrag unmittelbar mit 100 Mbit; über einen städtischen Zuschuss könnten die Kosten für die Bürgerinnen und Bürger gedeckelt werden. Parallel ist der beschlossene Gigbit-Masterplan schneller umzusetzen. Die Corona Pandemie hat gezeigt, dass durch Heimarbeit und Homeschooling mehr Bandbreite in der Fläche gebraucht wird. Es ist wichtig, dass der Ausbau der Infrastruktur mit dieser „neuen Normalität“ Schritt hält.
  5. Nach der Wahl das „Digitalministerium für Köln“ schaffen. Der beschriebene Veränderungsbedarf ist enorm und muss an zentraler Stelle in einem Dezernat für Digitales verantwortet werden. Ein wichtiger Schritt, den auf Landes- und Bundesebene kaum ein Digitalexperte mehr bezweifelt. Im Fokus dieses Dezernats stehen die Personal- und Organisationsentwicklung, die digitale Infrastruktur und die digitalen Dienste für die Bürgerinnen und Bürger. Unterfüttert mit einer Digitalisierungsstrategie und dem richtigen Veränderungsbudget gestaltet das „Digitalministerium von Köln“ gemeinsam mit den anderen Dezernaten den digitalen Veränderungsprozess der Stadt.

 

Lassen Sie uns nach der Wahl gemeinsam die nächste Stufe der Digitalisierung für Köln und unseren Wirtschaftsstandort zünden. Es ist dringend an der Zeit.

 

Mit besten Grüßen

Ihr

Florian Weber

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.